Vereinschronik
Einleitung

Als 1945 der große Strom der Heimatvertriebenen einsetzte und auch viele davon bei uns in Köngen eine neue Heimat suchten, wurde in einer damals abgehaltenen Bürgerversammlung diesen Menschen Hilfe versprochen. Der Gedanke, ihnen in Form einer Landzuteilung behilflich zu sein, hat auch unsere Gemeindeverwaltung aufgegriffen und erfreulicherweise bald in die Tat umsetzen können. Die Firma Ehmann, das Schloßgut, die Gemeinde und verschiedene Bürger stellten noch nicht überbautes Gelände den so schwer betroffenen Neubürgern als Gartenland zur Verfügung.
1946 war es dann soweit. Geordnete Verhältnisse anbahnend, entschließt sich eine Kleingärtner-Interessengruppe, einen Verein zu gründen. Es war dies notwendig, denn auch einheimische Bürger waren an dieser Gründung ebenfalls interessiert. Die Verschmelzung der Alt- und Neubürger konnte in solch einer Gemeinschaft nur gute Voraussetzungen schaffen. Hier darf ein Mann erwähnt und gewürdigt werden, unser leider verstorbener Ehrenvorstand, Wilhelm Deuschle. Er war es der die Kleingärtner um sich scharte, als Köngener die Verbindungen herstellte, als erster Vorstand dem Ganzen von Anfang an ein kleingärtnerisches Gepräge verlieh. Es war keine leichte Aufgabe, in der seinerzeit noch sehr bäuerlichen und altschwäbischen Gemeinde etwas Neues aufzubauen.
Nicht überall stand ein herzliches Willkommen an der Tür, und ein jeder Bürger weiß noch, wie die oft problematischen Erschütterungen unserer Dorfgemeinde in dem bald nicht mehr enden wollenden Strom von Vertriebenen große Sorgen bereiteten. Dankenswerterweise, das muß dem größten Teil unserer Köngener Dorfgemeinschaft mit ihrer Gemeindeverwaltung hoch angerechnet werden, gelang hier eine verständnisvolle Annäherung und Begegnung dieser Vertriebenen mit den Einheimischen durch den gegründeten Siedler- und Kleingärtnerverein. Durch die Not getrieben, sah man auf den in Pacht erworbenen Kleingärten Neubürger neben Altbürger arbeiten, säen und ernten.

 
1948 - 1953

Wenn 1948 dem Verein 250 Mitglieder angehörten, kann man sich vorstellen, dass der Bedarf an Grabeland groß war und keineswegs mehr befriedigt werden konnte. Neuland wurde gesucht und durch Verhandlungen mit den jeweiligen Besitzern erworben. Erwähnenswert ist, daß auf Gebieten, die heute schon längst überbaut sind, einstmals Kleingartenanlagen waren. Auf dem Hausacker waren 42 Gärten, bei der Linde 70, im Industriegebiet Wörthtal 60, bei der Ulrichsbrücke 8, auf den Mühlwiesen 24, an der Autobahn links und rechts davon 165 und im oberen Egart 52 Gärten. Allerdings waren die Pachtverträge oft nicht von allzu langer Dauer und es kam vor, daß der Anbau der Fläche kaum über einen Sommer lang anhielt und übers Jahr eine erneute Verlegung notwendig machte. Das mühselige Kultivieren und eine gute Düngung war mit Angst auf den baldigen Verlust gemischt. Eine richtige Beständigkeit einer Dauergartenanlage konnte für kein Pachtland erworben werden. Die Verträge hatten eine sehr kurze Kündigungsfrist und die Überbauung unserer Anlagen am Ortsrand vollzog sich durch das Anwachsen der Bevölkerung zu schnell, so daß der Drang in die Feldmarkung immer mehr zur Diskussion stand.

Die Gemeindeverwaltung und der Verein sah dem Nomadentum der Kleingärtner sorgenvoll zu und sie waren sich einig, daß hier etwas Beständiges geschaffen werden mußte. Viele Kleingärtner, voll Überdruß, stellten ihren Spaten in die Ecke und gaben den Kampf um den Erwerb eines Dauergartens auf Unsere Neubürger hatten etwas mehr Ausdauer und haben dem Verein wirklich die Treue gehalten. Viele Altbürger, die in dieser Verbindung mehr oder weniger nur eine wirtschaftliche Nutzung erblickten, suchten sich anderweitig ein Stück Land und der Mitgliederbestand ging bis auf 130 Kleingärtner zurück. Die Flurbereinigung und die Planung von Aussiedlerhöfen in der Nähe der oberen Egart stellten die Gemeinde vor ein ernstes Problem. In der Hoffnung, die Gartenanlage in der oberen Egart erhalten zu können, ja selbst dort unsere gewünschte Dauergartenanlage auszubauen, hatte keinen Erfolg. Ein in mühseliger Arbeit bis auf 7 Meter gegrabener Brunnen ist noch in Erinnerung. Harte Jahre der Hoffnung und in Aufopferung seiner Kraft bewogen den Gründer und den ersten Vorsitzenden, Wilhelm Deuschle, bei der Hauptversammlung 1953 sein Amt zur Verfügung zu stellen.

 
1953 - 1958

Rudolf Brändle übernahm die Geschicke des Vereins. Durch Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung wurde im Gewand Aepfelegart eine 3,5 ha große Fläche  für eine Dauergartenanlage ausgewiesen. Dies für den Verein so bedeutende Jahr 1955 brachte für alle Mitglieder Freude und damit auch eine Menge Arbeit. Acker- und Wiesenland in eine Dauergartenanlage zu verwandeln, das war eine schöne Aufgabe. Der Pachtvertrag wurde auf 25 Jahre von der Gemeinde unterzeichnet und mit dieser Anlage beginnt für den Verein die Abzeichnung einer klaren Linie.
Am Ende der Interimslösungen bei der Beschaffung von Gartenland weist der Mitgliederstand eine Höhe auf, der nun voll und ganz den Erwartungen entspricht. Mit 140 Mitgliedern, 75 Neu- und der Rest Altbürger gelang hier, durch die Gemeinschaftsarbeit noch gefördert, die Verbindung, die für unsere örtlichen, kulturellen Voraussetzungen innerhalb der Gemeinde notwendig sind, bestens. Die Planung der Anlage war gut durchdacht und zeigte ihren Wert auch weiterhin. 54 Gärten mit je 4 Ar, einer herrlichen Spielwiese für die Kinder, wurde ausgemessen. Leben kam in jeden Garten. Alle wollten den schönsten haben. Ende des Jahres 1955 wurde die Umzäunung fertiggestellt. Das Jahr 1956 brachte einen Drang nach Wasser. Ein Garten ohne Wasser wird kein Garten, und Kapazitäten, wie unser Gartenfreund Karl Maier, sah man nur noch mit der Wünschelrute umherlaufen. Nicht wenige waren es, die absolut nicht viel davon hielten. Das Glück war uns zur Seite. In 8 Meter Tiefe, durch dicke Felsschichten, alles ohne technische Hilfsmittel, fanden die Brunnenbauspezialisten vom Verein das köstliche Maß. Als Heilquelle beim Verein anerkannt, durfte das Wasser nicht vergeudet werden. Ein sinnloses Trinken wurde schon deswegen nicht gutgeheißen, weil die mit Liebe und Sorgfalt gesetzten Pflänzlein das erste Anrecht darauf hatten. Deshalb wurde noch im Jahre 1956 der Bau eines kleinen Vereinsheimes beschlossen. Im Vereinsmund als Kantine bezeichnet, bildete sie einen Unterschlupf bei schlechtem Wetter oder nach getaner Arbeit im Garten; einen Mittelpunkt auch der kameradschaftlichen und geselligen Notwendigkeit.
Durch die Zentralisierung der ganzen Kleingärtner in der Anlage ist eine wertvolle Vereinsfamilie herangewachsen, die in ihrem Tatendrang noch vieles versprechen konnte. Sehr nette Lauben sah man neu entstehen und das eigene Stück Erde, wenn es auch wenig war, bildete und bedeutete für viele eine neue Heimat. Eine Stätte der Freude und Erholung.
Der mit viel Sorgfalt und nett angelegte Spielplatz hat durch die selbst gebastelten Geräte innerhalb der Anlage bei den Kindern keine Langeweile aufkommen lassen. Bald ist die sogenannte Kantine zu klein und ein Anbau ist erforderlich. Die Größe des Wirtschaftsraumes wird im Jahre 1958 auf 32qm erweitert. Mit der Fertigstellung konnte auch gleichzeitig die Einweihung vom Dauergarten und das 10­jährige Vereinsjubiläum gefeiert werden. Es war ein großes Fest. Durch die große Beteiligung der Einwohnerschaft konnten wir unsere Arbeit als zufriedenstellend ansehen. 58 Mitglieder wurden dabei für ihre Treue zum Verein mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet und geehrt.

 
1958 - 1964

Ein zweiter Brunnen mußte für die Wasserversorgung gegraben werden. Bei einem trockenen Jahrgang zeigte sich, daß nicht alle Kleingärtner durch den zuerst gegrabenen Brunnen ihre Gärten mit Wasser versorgen konnten. Der neue Brunnen brachte mehr Wasser als der andere. Diese Tatsache ist dankbar aufgenommen worden.

Nach zwei Jahren der so hoch geschätzten Ruhe folgte 1962 eine Veränderung in der Vorstandschaft. Der erste Vorsitzende Rudolf Brändle wurde vom 2.Vorsitzenden, Willi Wunderlich abge­löst. Vergessen werden kann Rudolf Brändle, der Wegbereiter und Planer des Dauergartens, nicht. Als guter Organisator und Verhandlungspartner hat Gartenfreund Brändle wirklichen Dank verdient. Er scheute sich nicht bei allem selbst mit Hand anzulegen und mitzuhelfen. Dem neuen Vorsitzenden als Fachberater bekannt lag die Verschönerung und Weiterentwicklung des Dauergartens besonders am Herzen.

Die Kantine faßte nicht mehr genügend Gäste. Da unsere Dauergartenanlage Albblick eine herrliche Lage aufweist und die ganze mittlere Alb, vom Hohenstaufen, bis zum Hohenzollern, gemäldehaft ein Panorama von seltener Art bildet, wurde der Besuch von Spaziergängern immer häufiger. Zu Veranstaltungen vereinsinterner Art reichte der bescheidene Raum der Kantine auch nicht mehr aus. Die Planung eines netten und gemütlichen Vereinsheimes, vollständig neu aufgebaut, wurde von der Vorstandschaft und den Ausschußmitgliedern in vielen Sitzungen diskutiert und beraten.

Im Frühjahr 1963 wurden in einer Generalversammlung Vorstandschaft und Ausschuß neu gewählt. Tatkräftig nahmen die neu gewählten Männer die Geschicke des Vereins in die Hand mit dem Ziel, das geplante und beschlossene Bauvorhaben so rasch wie möglich zu verwirklichen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Friedrich Kolb gewählt. Sein Stellvertreter und zweiter Vorsitzender wurde Franz Deutsch, Kassier Werner Kramer, Schriftführer Andreas Keinrad, Ehrenvorsitzen­der Wilhelm Deuschle und noch 8 weitere Ausschußmitglieder bildeten die neue Vereinsleitung. Nach vielen Beratungen finanz- und planungstechnischer Art konnte Architekt Klein einen unseren Wünschen und Vorstellungen entsprechenden Plan vorlegen. Dieser wurde im Herbst 63 einer einberufenen Hauptversammlung vorge­legt und von ihr genehmigt. Bereits Anfang 1964 wurde mit dem Bau begonnen. Der Bauausschuß dem Vorsitzenden Deutsch und seinem unermüdlichen Stellvertreter Deuschle konnte sich in der Folgezeit über Mangel an Arbeit nicht beklagen. An dieser Stelle sei tobend daran erinnert, daß alte unsere Mitglieder mit großem Eifer und durch tatkräftige, unermüdliche Mitarbeit ihren Teil dazu beigetragen haben, so daß bereits Mitte Juni 1964 das Richtfest unseres Vereinsheimes gefeiert werden konnte.

 
1964 - 1968

Besondere Schwierigkeiten machte das Verlegen des Lichtkabels, mußte doch eine Wegstrecke von 900 Metern gleichzeitig mit dem Telefonkabel verlegt werden. Doch viele Hände machten auch hier ein baldiges Ende. An einem Samstag wurde es geschafft.

Ein Fest folgte dem anderen. Nach dem Lichtfest kam das Wasserfest. Der obere Brunnen wurde zur Wasserversorgung des Vereinsheimes freigemacht. Bedenkenlos, von einer herrlichen Reinheit, konnte das Brunnenwasser für den Wirtschaftsverbrauch verwendet werden. Das schöne und regenarme Sommerhalbjahr war für die folgenden Bauarbeiten sehr geeignet.

Die auf den 14. November angesetzte Eröffnung unseres Gastraumes brachte oftmals noch manchen Kummer. Der Amtsschimmel wieherte zwischendurch auch mal kräftig. Alles wurde aufgeboten, um den genannten Termin auch einhalten zu können. oft bis tief in den Morgen hinein hörte das Hämmern und Sägen nicht auf. Freude am Eröffnungstag war in den Gesichtern der Kleingärtner zu sehen, als Bürgermeister Rath diese schöne Leistung würdigte. Landesvorsitzender Beck gab in ausführlichen Worten bekannt daß solche Werke nur in einer selbstlosen Gemeinschaftsarbeit und mit einem für die Kleingartenbewegung aufgeschlossenen Bürgermeister und Gemeinderat durchzuführen sind.

Weiter ging die Arbeit. Doch der allzufrüh hereingebrochene Winter machte einen ganz gewaltigen Strich durch die Rechnung und unsere weiteren Vorhaben. Die Außenarbeiten, besonders am Spielplatz, kosteten noch viel Zeit und Geduld. Gerade diesem Platz schenkten die Verantwortlichen sehr viel Mühe und Arbeit, da er ja für unsere Jugend, in der auch wir unsere Zukunft sehen, geschaffen wurde.

Die Jahre 1966-1968 wurden für die Kleingärtner etwas ruhiger, man konnte sich wieder mehr den eigenen Gärten zuwenden.

 
1968 - heute

Im Jahre 1968 wurde der B-Bau erstellt.

1970 begann man mit dem Wegebau, in diesem Zusammenhang wurden dann auch Strom und Wasser in die einzelnen Gärten gelegt. Weit diese Aktion im eigentlichen Jubiläumsjahr 1972 noch nicht abgeschlossen war, verlegte man die 25-Jahrfeier auf das Jahr 1973, feierte aber umso zünftiger in einem Zelt auf der hinteren Wiese.
Ein buntes Programm sorgte 3 Tage lang für Stimmung. Die Attraktion des Festabends war damals der Auftritt des bekannten Humoristen Oskar Heiler.

Im selben Jahr erfolgte auch die Änderung des bisherigen Namens "Siedler­ und Kleingärtnerverein" in "Gartenfreunde Köngen".
Die Anlage wurde immer schöner, die Gärten immer prächtiger und die Ansprüche der Gartenfreunde immer größer. So begann man im Jahre 1979 erneut mit dem Umbau und der Vergrößerung des Vereinsheimes. Hinsichtlich der veranschlagten Kosten war das Wagnis sehr groß, aber es sollten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Noch während der Bauarbeiten am Vereinsheim weihte man 1980 den neugestatteten Spielplatz ein, dessen Betreuung und Wartung Gartenfreund Manfred Engel übernahm.
Die Jahre 1979 - 1982 verlangten den Gartenfreunden ein Vielfaches an freiwilligen Arbeitsstunden ab. Als Krönung ihres unermüdlichen Einsatzes durften sie aber dann bei der Einweihung im Juni 1982 auf ein in allen Teilen gelungenes Bauwerk zurückblicken.